Tomaten ausgeizen

Autor: Heiner

Eigentlich wollen Tomaten gar nicht besonders groß werden. Viel lieber würden sie massenweise Seitentriebe bilden und sich richtig schön breit machen. Die natürliche Wuchsform der Tomate kann man durchaus als "kriechend" bezeichnen. Als Gärtner möchte man dagegen lieber ordentliche Erträge erzielen. Bezogen auf die Fläche bringen Tomaten nun mal einen höheren und hochwertigeren Ertrag, wenn sie stehen und keine Seitentriebe bilden. (Ob das auch anders geht, werde ich kurz am Schluss diskutieren.) Tomaten ausgeizen Tomaten bilden ihre Seitentriebe in den Blattachseln des Haupttriebes; und zwar in fast jeder Blattachsel. Und auch nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Diese Seitentriebe der Tomate bezeichnet man auch als Geiztriebe. Entsprechend nennt man das Herausbrechen der Geiztriebe ausgeizen. Eigentlich ist das Ausgeizen der Tomaten ganz einfach. Man drückt die jungen Triebe einfach zur Seite. Sie brechen dann ganz leicht an der "Sollbruchstelle" an der Basis des Triebs ab. Das Problem beim Ausgeizen ist eher, dass die Geiztriebe in einer unheimlichen Geschwindigkeit nachwachsen. Man muss die Tomaten also alle paar Tage ausgeizen, um die Triebe (und damit die Wunden) nicht zu groß werden zu lassen. Wahrscheinlich war das Abbrechen von Trieben bei den Urahnen der Tomate auch nicht völlig ungewöhnlich. Die Triebe brechen wirklich sehr leicht ab. Die heraus gebrochenen Triebe bewurzeln sich dann aber auch sehr schnell und wachsen oft recht gut selbstständig weiter. Wenn also im Gewächshaus noch eine Tomatenpflanze fehlt, dann lohnt es durchaus, einen Geiztrieb zu bewurzeln. Ist das Ausgeizen überhaupt unbedingt nötig? Nein, ist es nicht! Tomaten bilden natürlich auch Blüten und und Früchte, wenn sie nicht ausgegeizt werden. Die einzelnen Pflanzen brauchen dann aber ganz erheblich mehr Platz und es wird mit der Zeit zunehmend schwieriger die Pflanze daran zu hindern völlig auseinander zu brechen. Nicht ausgegeizte Tomaten bilden ihre Früchte später, weil sie sich zunächst mehr um das vegetative Wachstum der Seitentriebe kümmern. Die Früchte von nicht ausgegeizten Tomaten bleiben oft kleiner und reifen im Spätsommer schlechter ab. Gelegentlich wird auch berichtet, dass nicht ausgegeizte Tomaten eher von Braunfäule befallen werden. Das würde ich allerdings darauf zurückführen, dass ihnen einfach nicht genug Platz zur Verfügung stand. Müssen Tomaten unbedingt stehend angebaut werden? Nein, müssen sie auch nicht! Es gibt einige ziemlich interessante Versuche Tomaten kriechend in sogenannter "Bodenkultur" anzubauen. Das Problem liegt natürlich auf der Hand: Braunfäule. Ohne spezielle Boden-Tomatensorten ist der Boden-Anbau in unseren Breiten wohl nur unter Glas mit einer Tröpfchenbewässerung und ordentlich Strohmulch sinnvoll. Neben der Bodenkultur ist es auch möglich, die Tomaten hängend zu ziehen. Unsere Wildtomate "Small Egg" haben wir bisher immer nur hängend und unausgegeizt gezogen und sie hat trotzdem immer massenweise Früchte produziert. Aber das ist eben auch eine Wildtomate und keine Sorte, die für den stehenden Anbau gezüchtet wurde.

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